Drei Stunden früher zu: Was hinter den neuen Food-Court-Zeiten steckt

(aktualisierte Zahlen gegenüber dem Audiobeitrag)
Seit dem 27. Juli macht der Food Court am Unteren Schloss drei Stunden früher zu – und das bleibt bis auf weiteres so. Das Studierendenwerk sagt: wirtschaftlich sei es nicht anders machbar. Beim Zeitpunkt und bei der Kommunikation bleiben aber Fragen. Radius 92.1-Redakteur Philipp Gröll ordnet im Gespräch mit Moderator Paul Nitz in unserer Morningshow „Wecksi(e)gnal“ ein, was sich ändert, warum, und wer das anders sieht.

Ausschnitt aus unserer Morningshow “Wecksi(e)gnal” vom 07.08.2026

Was sich zum 27. Juli geändert hat

Seit dem Beginn der vorlesungsfreien Zeit im Sommersemester 2026, also dem 27. Juli, schließt der Food Court am Unteren Schloss bereits um 15:00 Uhr, statt wie bisher um 18:00 Uhr. Die Änderung soll auch über die Semesterferien hinaus bestehen bleiben.

Hintergrund ist die angespannte finanzielle Lage des Studierendenwerks Siegen. Bereits im September 2024 kündigte das Studierendenwerk einen umfangreichen Restrukturierungsprozess an.

Ein Nebengeschäft, das sich nicht mehr trägt

Für das Studierendenwerk ist der entscheidende Punkt, dass der Food Court nicht als Mensa, sondern als Cafeteria geführt wird. Im Gespräch mit Radius 92.1 erläutert Dr. Insa Deeken – Geschäftsführerin des Studierendenwerks Siegen:

„Cafeterien […] sind für Studierendenwerke nur Nebengeschäfte, […] die nur so lange sinnvoll sind, wie sie sich selbst tragen.“

– Dr. Insa Deeken

In Siegen sei das nicht mehr der Fall. In Bezug auf den Food Court fügt sie an:

„Wir haben dort im Schnitt zwischen 15:00 Uhr und 18:00 Uhr vielleicht noch 20 bis 40 Kaffee verkauft, und das ist einfach viel zu wenig.“

– Dr. Insa Deeken

Nachträglich hat uns das Studierendenwerk von sich aus die monatlichen Durchschnittswerte für 2026 überlassen. Sie bestätigen die Größenordnung: selbst im Januar, also mitten in der Vorlesungszeit, wurden im Schnitt nur 31 Heißgetränke nach 15:00 Uhr verkauft. Im Juli waren es zuletzt noch durchschnittlich 19.

Monat 2026Durchschnittlich verkaufte Heißgetränke nach 15:00 Uhr, Ø pro Nachmittag
Januar31
Februar28
März17
April21
Mai21
Juni17
Juli19
Durchschnittlich verkaufte Heißgetränke nach 15 Uhr, Januar–Juli 2026. Quelle: Studierendenwerk Siegen.

Doch auch ohne Getränke- und Snackverkauf ließe sich der Food Court nicht ohne weiteres als Lernort weiterbetreiben – wegen Hygienevorschriften. Die offenen Kochstationen des Food Courts machten es erforderlich, dass der Bereich immer von einer Person überwacht werde.

„Die Studierenden könnten also so zu sagen in die Hygieneräume hinein laufen, das gilt es halt zu verhindern. Und deshalb muss so zu sagen, um das zu gewährleisten, immer geschultes Personal vor Ort sein.“

– Dr. Insa Deeken

Empfehlung, aber auch wirklich eine Pflicht?

Anlass der Kürzung ist eine landesweite Untersuchung der Hochschulgastronomie, die die Studierendenwerke gemeinsam in Auftrag gegeben haben. Sie liegt Radius 92.1 vor und empfiehlt: Öffnungszeiten am Nachmittag seien als freiwillige Zusatzleistungen zum Mittagsgeschäft der Mensen zu betrachten. Gleichzeitig müssten dauerhafte Kürzungen des Angebots durch eine dauerhaft geringe Nachfrage begründet sein – über ein gesamtes Jahr hinweg dokumentiert.

Die Studierendenwerke stünden unter Erwartungsdruck, die Empfehlungen umzusetzen, so Deeken:

„Wir hatten dann dort auch einen Termin im Ministerium und haben mit Frau Ministerin Brandes über die Ergebnisse gesprochen und es wurde dann auch festgehalten, dass wir Studierendenwerke diese Empfehlungen aus diesem Gutachten, so gut es geht, umsetzen sollen.“

– Dr. Insa Deeken

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni Siegen hält dagegen und bezeichnet die frühzeitige Umsetzung als vorauseilenden Gehorsam: das Gutachten spreche nur Empfehlungen aus, verpflichtend sei es nicht.

Angekündigt für Oktober, gekommen im Juli

Neben der Kürzung selbst wirft vor allem ihr Zeitpunkt Fragen auf. Ursprünglich war der studentischen Vertretung ein späterer Termin genannt worden: Der AStA ging von September oder Oktober aus — auch wir hatten darüber berichtet. Auf Nachfrage bestätigte der AStA-Vorsitz schriftlich:

„Was den Food Court betrifft, wurde uns September beziehungsweise Oktober kommuniziert. […] Nein, wir wurden nicht darüber informiert, dass der Food Court jetzt schon verkürzte Öffnungszeiten bekommt.”

Warum die Änderung dann rund zwei Monate früher kam, begründet Deeken vor allem organisatorisch: Der Food Court sei ein Verlustgeschäft, und man habe ihn zeitgleich mit dem Bistro am Campus Adolf-Reichwein-Straße schließen wollen.

„… und wir hier dann gleich fahren wollten mit dem Bistro, dass wir sozusagen beide Cafeterien um 15 Uhr schließen.”

– Dr. Insa Deeken

Auch die Universität war an der Entscheidung nicht beteiligt. Betrieben wird das Gebäude zwar vom Studierendenwerk, beim Bau war die Uni jedoch mit rund 18 Millionen Euro einer der größten Geldgeber. Auf Anfrage teilte sie mit, sie könne die wirtschaftlichen Erwägungen nachvollziehen, sehe die Verkürzung aber kritisch und bedaure, nicht beteiligt gewesen zu sein, die Auswirkungen wolle sie gegenüber dem Studierendenwerk ansprechen. Dass ein Austausch bevorsteht, bestätigt auch Deeken:

„Wir haben aber vorab mit der Universität gesprochen, und ich habe jetzt auch nochmal erfahren, dass die Universität nochmal mit uns sprechen möchte.”

– Dr. Insa Deeken

Ein Lernort weniger

Für viele Studierende war der Food Court nicht nur ein Ort zum Essen, sondern auch zum Lernen und Verweilen — gerade weil man dort sitzen konnte, ohne etwas kaufen zu müssen. Am Nachmittag fällt das nun weg. Das Studierendenwerk sei sich dessen bewusst, sagt Deeken. In Stein gemeißelt sei die Lösung nicht, man sei offen für Vorschläge. Als Lernorte am Unteren Schloss verweist die Universität auf den Lernort (LEO) im Gebäudeteil US-A sowie auf die Bibliothek und das neue Studienservice Center in der Innenstadt.

Zugleich deutet Deeken an, dass sich an den Öffnungszeiten durchaus wieder etwas ändern könnte. Im Untergeschoss unter dem Food Court gebe es eine Fläche, die als Lounge bezeichnet wird, bislang aber nie wirklich in Betrieb war. Für sie suche das Studierendenwerk einen Mieter oder Partner:

„Wir haben unten die Lounge, die noch nie wirklich als Lounge in Betrieb genommen wurde. Wir sind hier auf der Suche nach einem neuen Mieter, Mitstreiter […]. Sollten wir hier jemanden finden, dann kann das schon ganz schnell wieder anders werden mit den Öffnungszeiten.”

– Dr. Insa Deeken

Wie es mit dem Food Court weitergeht, dürfte sich damit erst im Wintersemester zeigen.

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